Henstedt-Ulzburg, 21.08.2026 – Die Auseinandersetzung zwischen Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg um den geplanten innovativen REWE-Markt auf dem Dello-Gelände wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie wollen wir Nahversorgung in einer sich verändernden Gesellschaft künftig organisieren?
Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen sind dabei nicht miteinander vergleichbar. Kaltenkirchen verfügt über eine kompaktere Siedlungsstruktur. Henstedt-Ulzburg ist dagegen durch seine gewachsenen Ortsteile Henstedt, Ulzburg und Rhen sowie weitere Siedlungsbereiche deutlich dezentraler geprägt. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Nahversorgung.
„Was in einer kompakten Stadt funktioniert, lässt sich nicht eins zu eins auf eine Gemeinde mit mehreren Siedlungsschwerpunkten übertragen“, sagt Michael Meschede, Vorsitzender des Planungsausschusses in Henstedt-Ulzburg. „Henstedt-Ulzburg muss die Versorgung der Menschen in den einzelnen Ortsteilen sicherstellen – und zwar möglichst wohnortnah.“
Das entspricht auch dem Leitbild der „Stadt der Viertelstunde“, mit dem sich das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) intensiv auseinandersetzt. Ziel ist es, möglichst viele Funktionen des täglichen Lebens innerhalb kurzer Wege – idealerweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad – erreichbar zu machen. Das BBSR betrachtet dabei ausdrücklich Versorgung, Gesundheit, Bildung und Freizeit als zentrale Alltagsfunktionen.
Die Zukunft der Raumplanung lässt sich nicht mit den Kategorien von gestern gestalten!
Der Streit um den REWE-Markt ist deshalb mehr als eine Frage einzelner Verkaufsflächen oder Zentrenkategorien. Hier treffen zwei Vorstellungen von Raumplanung aufeinander: eine klassische, stark hierarchische Betrachtung von Ober-, Mittel- und Unterzentren und eine Planung, die den Alltag der Menschen, kurze Wege und die großen Transformationsprozesse unserer Zeit stärker in den Mittelpunkt stellt.
Klimawandel, demografischer Wandel, Digitalisierung und veränderte Mobilität verändern unsere Anforderungen an die Stadt- und Gemeindeentwicklung. Diese Debatte ist politisch, gesellschaftlich und ökonomisch – sie sollte nicht erst vor Gericht geführt werden.
Denn Gerichtsverfahren dieser Art kosten nicht nur Zeit und kommunale Steuergelder. Sie können auch private Investitionen ausbremsen oder blockieren. Unternehmen, die in moderne Standorte investieren wollen, brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit.
„Wir wollten uns eigentlich von der Gängelung und Bevormundung von Unternehmen verabschieden“, so Margitta Neumann, CDU-Vorsitzende in Henstedt-Ulzburg. „Dann sollten wir auch nicht versuchen, unternehmerische Entscheidungen über immer neue juristische Auseinandersetzungen zu verhindern.“ „Wir leben aber nicht in einer Planwirtschaft“, betont Margitta Neumann. „Unternehmerische Kräfte sollen wir beeinflussen, wo es dem Gemeinwohl dient – aber wir sollten sie nicht bestimmen.“
Planungsämter statt Gerichte an einen Tisch!
Henstedt-Ulzburg hat die Aufgabe, eine gute Nahversorgung für seine Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Das geschieht gemeinsam mit den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels.
Statt die Frage juristisch zuzuspitzen, wer aufgrund seiner zentralörtlichen Funktion einem anderen vorschreiben darf, welche Geschäfte sich dort ansiedeln, sollten sich die Planungsabteilungen der betroffenen Gemeinden zusammensetzen.
Die bessere Frage lautet nicht: „Wer darf was verhindern?“
Die bessere Frage lautet: „Wie organisieren wir gemeinsam die Versorgung von morgen?“
Eine solche Zusammenarbeit könnte zum Modell für die Region werden: Gemeinden, die ihre unterschiedlichen Funktionen anerkennen und gemeinsam Konzepte für eine versorgungssichere, klimafeste und mobile Zukunft entwickeln.
Und eines steht fest: Dass Henstedt-Ulzburg Standort eines innovativen Leuchtturm-Marktes von nationaler Bedeutung werden könnte, ist für unsere Gemeinde kein Nachteil – sondern eine Chance.
Kurze Wege, gute Nahversorgung und innovative Unternehmen gehören zusammen. Die Zukunft der Region sollten wir gemeinsam gestalten – nicht gegeneinander vor Gericht.
Foto: CDU/Christiane Lang
V.i.S.d.P.:
CDU Ortsverband Henstedt-Ulzburg
Ortsvorsitzende Margitta Neumann